
Kick-Off-Jahr im Schnelldurchlauf
Anlauf trotz Warteschleife
Januar – September 2025
Während wir voller Tatendrang ins Jahr starteten, warteten wir parallel auf das wichtigste Dokument: den Mietvertrag mit der Eigentümerin. Was im Januar begann, zog sich hin mehrere Monate zwischen Verhandlungen, Abstimmungen, Haftungsfragen und juristische Prüfungen. Eine Phase, in dem wir nur eingeschränkt am Gebäude arbeiten konnten.
Stillstand war trotzdem keine Option. Noch vor dem offiziellen Projektstart entwickelten Bachelorstudierende des Studiengangs Energieeffizientes Planen und Bauen im Wintersemester 24/25 erste Konzepte für Renovierung und Umgebungsgestaltung. Parallel entstand in Kooperation mit dem Studiengang Kommunikationsdesign die Ausstellung „Echoes from the Past" – eine erste Sichtbarmachung der Geschichte und des Potenzials des Turms.
Im Januar wurde die Stelle für die Projektkoordination besetzt, dazu stiegen zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen ein und bildeten das Kernteam, um den Prozess vorantreiben. Im März fand der offizielle Kick-off beider Verbundpartner – BLfD und THA – statt, mit dem die inhaltliche Zusammenarbeit formell startete.
Messen, Scannen, Verstehen
Frühjahr 2025
Bevor ein Gebäude umgebaut wird, muss man seine Substanz verstehen. Deshalb wurde der Turm zunächst gründlich unter die Lupe genommen: Ein 3D-Laserscan des externen Partners Dimension3 lieferte präzise Punktwolkendaten des gesamten Gebäudes. Daraus entstand am BLfD ein BIM-Modell, das anschließend mit bauforschenden Befunden von Oliver Lindauer angereichert wurde. Parallel wurden raumweise Bestandsanalysen durchgeführt – Materialität, Bausubstanz, Elektro, Heizung, Wasser/Abwasser.
Am 15. Mai wurde zum Meet-and-Greet „Über Punkt und Wolken: Digitale Strategien für die Denkmalpflege" direkt in den Rohzustand des Turms eingeladen. Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Denkmalschutzbehörden diskutierten, wie digitale Werkzeuge die Denkmalpflege verändern – und was es braucht, damit sie auch im Verwaltungsalltag ankommen. Die unfertige Location machte den Prozess dabei buchstäblich erlebbar.
Volle Fahrt voraus
Sommersemester 2025
Mit dem Frühling kam Schwung ins Projekt. Plötzlich arbeiteten mehrere Gruppen parallel am Turm:
- 60 Studierende entwickelten im Kurs „Integrales Entwurfsprojekt 3" Nutzungskonzepte und Weiterentwicklungsszenarien für das angrenzende Grundstück
- Studierende der Sozialen Arbeit meldeten Interesse an, Räume für Kollaboration zu nutzen und selbst zu renovieren
- 20 Studierende starteten die erste sichtbare Veränderung: die Ad-hoc-Aktivierung des Erdgeschosses als TURM Café → mehr im Blogbeitrag Turm-Café
- In einem dreitägigen Workshop unter Anleitung von Lehmbauexperte Jan Glasmeier lernten Studierende, mit natürlichen Materialien zu arbeiten – ein erster Schritt in Richtung ressourcenschonende Sanierung direkt am Objekt
Vernetzung und Sichtbarkeit
Herbst 2025
Im September war es endlich soweit: Der Mietvertrag konnte unterzeichnet und somit stand dem projektvorhaben nichts mehr im Weg.
Beim „Tag des offenen Denkmals" war der Turm 2025 erstmals dabei. Das Interesse war groß – viele wollten das Gebäude endlich von innen sehen. Solche Veranstaltungen sind wichtig, um historische Gebäude wieder ins Bewusstsein der Stadt zu rücken.
Die Late Summer School „Wir bohren ein Loch" im September machte deutlich: So ein Projekt braucht viele Köpfe. Fachplaner, Behörden wie die Untere Denkmalschutzbehörde, Bauforschende, Statik- und Brandschutzbüros – sie alle sind essenziell, um Nutzungssicherheit zu gewährleisten und das Gebäude in die heutige Zeit zu transformieren.
Wo stehen wir jetzt?
Frühjahr 2026
Der Mietvertrag ist unterschrieben. Erste Sanierungskonzepte liegen vor. Die Bestandsanalyse ist abgeschlossen, thermisch-energetische Untersuchungen sind in Arbeit, Statik- und Brandschutzkonzepte für die künftige Nutzung entstehen. Die Inhalte für die Wissens- und Austauschplattform sind aufbereitet. Gerade wird intensiv an Heizung und Stromanschlüssen gearbeitet – denn der Winter hat gezeigt: Ohne Wärme und Licht lässt es sich nur bedingt arbeiten ;-)
Projektteam: Christian Bauriedel, Theresa Haase, Dirk Jacob, Anica Mayer, Marina Nieberle, Wolfgang Nowak, Valerie Rehle, Judith Sandmeier
Obacht
Geduld zahlt sich aus. Plant Zeit für Vertragsverhandlungen und Haftungsfragen ein. Bleibt hartnäckig.
Ein Kernteam ist unverzichtbar. Es braucht 2–5 Leute (je nach Projektgröße), die als Ansprechpartner und Koordinatoren fungieren und Verantwortung übernehmen.
Regelmäßige Aktionen, die das Projekt sichtbar machen und Interesse wecken, helfen Aufmerksamkeit zu erzeugen und Komplizen zu finden.
Jeder Beitrag zählt. Egal ob Studierende, Externe oder zivile Akteure – jeder noch so kleine Beitrag hilft, das Gebäude wieder sichtbar und nutzbar zu machen.