Vom Verfall zur Vielfalt: Wenn gefährdete Bahnhöfe neues Leben finden
8 Bahnhöfe - 18 neue Nutzungen
Acht Bahnhöfe erhalten neues Leben: Mit insgesamt 18 neuen Nutzungen werden die historischen Gebäude zu vielseitigen Orten für Wohnen, Kultur, soziale Angebote, Gastronomie, Gewerbe und Sport. So entstehen lebendige Treffpunkte, die den Bestand erhalten und gleichzeitig einen nachhaltigen Mehrwert für die Gemeinden schaffen.
Bahnhof Landau Isar
Bahnhofstraße 31, 94405 Landau an der Isar, Bayern, Deutschland
Geschichte
Der Bahnhof Landau (Isar) blickt auf eine lange Geschichte zurück. Errichtet um 1875 als regionaler Eisenbahnknoten, verlor der Standort mit der Stilllegung mehrerer Nebenstrecken im Laufe der Jahrzehnte an Bedeutung. Heute ist der Bahnhof wieder Teil des regionalen Bahnverkehrs auf der Strecke Landshut–Plattling. Seit 2012 befindet sich das historische Empfangsgebäude in Privatbesitz und hat sich seither sichtbar gewandelt.
Umnutzung
Ein wichtiger Schritt in der Wiederbelebung des Bahnhofsgebäudes erfolgte im Januar 2023 mit dem Einzug der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern. Im Erdgeschoss des Gebäudes werden seither Diagnostik, Beratung und therapeutische Angebote angeboten. Ergänzt wird das soziale Angebot durch einen Jugendtreff.
Auch im Alltag der Bevölkerung hat der Bahnhof wieder Bedeutung erlangt. Das Döner Pizza Café „Knusperpalast“ dient als gastronomischer Treffpunkt, während die DHL Packstation eine praktische Ergänzung für den täglichen Bedarf bietet. Damit zeigt der Bahnhof Landau beispielhaft, wie ein historisches Gebäude sinnvoll neu genutzt werden kann.
Bahnhof Postbauer-Heng
Bahnhofstraße 13, 92353 Postbauer-Heng, Bayern, Deutschland
Geschichte
Der Bahnhof Postbauer-Heng wurde am 1. Dezember 1871 mit der Bahnlinie Nürnberg–Regensburg eröffnet und liegt bei Streckenkilometer 73,5 auf rund 459 m Höhe. Bis 1978 trug er den Namen „Postbauer“, bevor er nach der Eingemeindung umbenannt wurde. 1998 wurde der Bahnhof für den S-Bahn-Betrieb modernisiert und barrierefrei ausgebaut; der Fahrkartenverkauf im Empfangsgebäude wurde dabei eingestellt. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 2011 von der Gemeinde erworben, später verkauft und nach einem Brand 2018 saniert. Heute wird es für Gewerbe und Wohnen genutzt.
Umnutzung
Heute ist in dem historischen Bahnhofsgebäude ein Friseursalon ansässig.
Bahnhof Seubersdorf
Bahnhofstraße 22, 92358 Seubersdorf in der Oberpfalz, Bayern, Deutschland
Geschichte
Der Bahnhof Seubersdorf wurde 1873 an der Bahnstrecke Nürnberg–Regensburg eröffnet und band den Ort erstmals an das überregionale Schienennetz an. Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude wurde in den vergangenen Jahren umfassend saniert. Dabei entstanden Wohnungen, darunter auch eine barrierefreie Wohnung, sowie Aufenthaltsbereiche für Reisende. Seit 2024 wird das Gebäude zudem als „Unternehmerbahnhof“ mit verschiedenen Firmen genutzt.
Umnutzung
Im Zuge der Sanierung des denkmalgeschützten Bahnhofs im Jahr 2017 entstanden im Gebäude drei moderne Wohnungen. Im Erdgeschoss wurde eine vollständig barrierefreie Wohnung eingerichtet, in den Obergeschossen zwei flexibel teilbare Wohnungen mit variablen Grundrissen, die je nach Bedarf als eine große Familienwohnung oder als zwei separate Wohnungen genutzt werden konnten. Gleichzeitig erhielt der Bahnhof erstmals eine moderne Wartehalle mit barrierefreiem WC.
Im Jahr 2024 suchten mehrere junge UnternehmerInnen aus Seubersdorf nach neuen Geschäftsräumen. Nachdem die Mieter im Obergeschoss ausgezogen waren, beschloss der Gemeinderat, den ehemaligen Wohnbereich in einen Unternehmerbahnhof umzuwandeln. Nach kleineren Renovierungen wurde das Gebäude unter dem Namen „Gleiswerk 22“ eröffnet. Heute nutzen vier Firmen das Gebäude: Im Erdgeschoss befinden sich Büro, Ladengeschäft und ein 24/7-Selbstbedienungsshop mit Getränken, Snacks und Geschenken; in den Obergeschossen eine Steuerberatung mit Software- und KI-Entwicklung sowie eine Marketingagentur für Foto-, Grafik- und Präsentationsdienstleistungen.
Bahnhof Bamberg
Veit-Dennert-Strasse 10, 96132 Schlüsselfeld, Bayern, Deutschland
Geschichte
Der Bahnhof Schlüsselfeld wurde um 1900 als Endpunkt der Bahnstrecke von Pommersfelden errichtet, nachdem seit den 1880er Jahren eine Anbindung des Reichen-Ebrach-Tals an das Bahnnetz geplant worden war. Das Empfangsgebäude entstand 1899 als typischer bayerischer Ziegel-Systembau. Nach der Einstellung des Personenverkehrs 1977 verlor der Bahnhof seine ursprüngliche Funktion und wurde später als Lager genutzt. Seit 2018 wird das Gebäude von einem privaten Eigentümer renoviert.
Umnutzung
Nach der Sanierung des historischen Bahnhofsgebäudes wurden die oberen Etagen zu Wohnraum umgebaut. Seit Januar 2021 wohnen erste Mieter im 1. Obergeschoss; langfristig sollen alle drei Etagen als Mietwohnungen genutzt werden.
„Das 122 Jahre alte Empfangsgebäude ist Teil des historischen Rundwegs durch die Schlüsselfelder Altstadt.“
Bahnhof Fürth
Am historischen Lockschuppen 40, 90762 Fürth, Bayern, Deutschland
Geschichte
Der Lokschuppen in Fürth entstand um 1860 im Zusammenhang mit der Ludwig-Süd-Nord-Bahn und diente ursprünglich als Unterstell- und Wartungsgebäude für Rangierlokomotiven. Im Laufe des 20. Jahrhunderts verlor er seine betriebliche Funktion und verfiel zunehmend; ein Brand im Jahr 2004 beschädigte das Dach schwer. Seit 2016 befindet sich das Gebäude im Besitz einer Immobiliengesellschaft. Ein seit 2021 verfolgtes Nutzungskonzept sieht vor, den denkmalgeschützten Lokschuppen als Kultur- und Begegnungsort zu entwickeln.
Umnutzung
Im Rahmen des Bundesprogramms „Kulturinvest“ wird der historische Lokschuppen bis 2025 umgebaut. Geplant ist eine Begegnungsstätte für die Stadtgesellschaft und die Jugendkulturszene. Damit erhält das denkmalgeschützte Gebäude eine neue öffentliche Nutzung mit Fokus auf Kultur und soziale Teilhabe.
Bahnhof Nürnberg
Fuchsstraße 20, 21, 22, 24, 26 & 28, 90429 Nürnberg, Bayern, Deutschland
Geschichte
Seit 1881 betrieb die Nürnberg-Fürther Straßenbahn zunächst Pferde-, später elektrische Straßenbahnen. Mit dem starken Wachstum des Netzes und der Elektrifizierung ab 1896 reichten die bestehenden Werkstätten bald nicht mehr aus. Daher entstand ab 1912 im Nürnberger Stadtteil Muggenhof eine zentrale Hauptwerkstatt an der Fuchsstraße, die 1913/14 vollständig in Betrieb ging. Der große Werkstattkomplex mit verschiedenen Fachwerkstätten entwickelte sich zum technischen Zentrum der Nürnberger Straßenbahn.
Umnutzung
Im ehemaligen Straßenbahndepot an der Fuchsstraße entstanden durch einen umfassenden Umbau 78 Wohnungen mit unterschiedlichen Grundrissen – von Einzimmer-Appartements über Atelierwohnungen bis hin zu Lofts mit bis zu fünf Metern Raumhöhe. Die historische Backsteinfassade und der markante Uhrenturm blieben erhalten.
Die Wohnungen bieten vielfältige Wohnformen, etwa barrierefreie Appartements, Wohnungen mit Garten oder Dachgeschosse mit Spitzboden. Insgesamt umfasst das Projekt rund 6.300 m² Wohnfläche und wurde 2018 fertiggestellt. Heute sind nahezu alle „Tramlofts“ bewohnt.
Bahnhof Hagenbüchach
Am Bahnhof 30, 91469 Hagenbüchach, Bayern, Deutschland
Geschichte
Der Bahnhof Hagenbüchach liegt an der zweigleisigen Hauptstrecke Fürth–Würzburg und wird bis heute von Regionalzügen bedient. Er entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zuge des Streckenausbaus und dient seither als Haltepunkt für den regionalen Personenverkehr westlich von Fürth.
Umnutzung
Seit Februar 2017 befindet sich im historischen Bahnhofsgebäude Hagenbüchach das Yoga-Studio „Yogabahnhof“, in dem regelmäßig Yoga-Kurse und weitere Angebote stattfinden.
Zudem betreibt die Bäckerei Dünisch am Bahnhof 30 eine Filiale mit Backwarenverkauf und Cafébetrieb und trägt damit zur lokalen Versorgung im Ort bei.
Bahnhof Augsburg
Firnhaberstraße 22/22f, 86159 Augsburg, Bayern, Deutschland
Geschichte
Das Bahnbetriebswerk Augsburg wurde zwischen 1903 und 1906 errichtet und gehörte mit rund 31 Stallplätzen pro Ringlokschuppen zu den bedeutendsten Anlagen in Bayern. Es diente der Wartung von Dampflokomotiven am wichtigen Eisenbahnknoten Augsburg. Mit dem Ende der Dampflok-Ära verlor das Betriebswerk seine Funktion, wurde 1990 stillgelegt und steht seit 1996 unter Denkmalschutz.
Umnutzung
Der Bahnpark Augsburg ist heute eine rund 24 Hektar große Techniklandschaft, in der die ehemaligen Anlagen des Bahnbetriebswerks als begehbare Ausstellung historischer Lokomotiven und Waggons genutzt werden.
Auf dem Gelände gibt es 21 Stationen der „Welt der Lok“, darunter historische Wasserförderanlagen mit Brunnen bis zu 177 m Tiefe. Der Bahnpark ist ein Ausflugs- und Bildungsziel für Technik- und Geschichtsinteressierte.