Studierende präsentieren ihre Ergebnisse auf einem Beamer

Drei Tage, ein Turm, interdisziplinäre Lösungen

Ende September 2025 fand im SWA-Turm eine dreitägige Late Summer School statt – ein gemeinsames Format der Technischen Hochschule Augsburg und des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege im Rahmen von GreenHeritage360°. Studierende der Studiengänge Energy Efficient Design, Bauingenieurwesen, Architektur und Digitaler Baumeister arbeiteten gemeinsam mit Expertinnen und Experten an einer zentralen Frage:

Wie lässt sich ein denkmalgeschütztes Gebäude aus dem Jahr 1926 brandschutztechnisch und statisch ertüchtigen – ohne seinen historischen Charakter zu gefährden?

Nach Fachvorträgen zu den Themen Denkmalpflege (Dr. Judith Sandmeier, BLfD), Statik (Simon Hartinger) und Brandschutz (Jochen Hermann & Dr. Daniel Herzog) wurden drei Arbeitsgruppen gebildet, die über zwei weitere Tage selbstständig Lösungsvorschläge erarbeiteten. Begehungen des Turms, moderierte Diskussionsrunden mit den Expert*innen und eine praktische Kernlochbohrung direkt am Objekt ergänzten die Workshopphasen.

Das besondere an diesem Format: Zum ersten Mal diskutierten alle relevanten Fachleute gleichzeitig am Ort des Geschehens. Die gemeinsame Perspektive auf das Gebäude ermöglichte Lösungsansätze, die in getrennten Fachgesprächen so nicht entstanden wären.

Das gemeinsame Arbeiten am Objekt schafft eine Verständigungsgrundlage, die klassische Planungsprozesse so kaum ermöglichen

Die Gruppenarbeiten führten zu konkreten Erkenntnissen für die weitere Projektplanung. Im Bereich Brandschutz wurde festgestellt, dass bei einer Kapazität von 30 Personen im Seminarraum ein geordneter Rettungsweg ausreicht. Kompensationsmaßnahmen – etwa die Ertüchtigung der Decken von unten – bieten denkmalverträgliche Alternativen zu baulich stärker eingreifenden Lösungen. Positiv zu vermerken: Die vorhandenen Eichenbohlen sind teilweise als schwer entflammbar einzustufen. Die Statikgruppe bestätigte die grundsätzliche Standsicherheit des Gebäudes und empfahl, Deckenbalkenköpfe freizulegen, um die Tragstruktur vollständig beurteilen zu können. Ein zentrales Ergebnis war die Identifikation eines Lösungswegs, der Bestandsschutz sinnvoll nutzt und ohne neue Baugenehmigung auskommt.

Einzelne Fragen – insbesondere zur genauen Reichweite des Bestandsschutzes und zur denkmalpflegerischen Bewertung bestimmter Bauteile – werden in weiteren Abstimmungen mit den zuständigen Behörden geklärt.

Die Late Summer School hat gezeigt, welchen Mehrwert das Reallabor-Format bietet: Das gemeinsame Arbeiten am Objekt schafft eine Verständigungsgrundlage, die klassische Planungsprozesse so kaum ermöglichen. Die Ergebnisse fließen direkt in die weiteren Planungsschritte zur Nutzungsertüchtigung des SWA-Turms ein – und können als übertragbares Modell für ähnliche Projekte dienen.

Projektbeteiligte: Christian Bauriedel, Theresa Haase, Simon Hartinger, Jochen Hermann, Daniel Herzog, Marina Nieberle, Valerie Rehle, Judith Sandmeier

Studierende: Carina Hainz, Jacqueline Burkhart, Jan Herzog, Katinka Jürgens, Leopold Kohnle, Marius Golderer, Martin Marquardt, Philipp Ecker, Rebekka Rapp, Nico Reichl, Sarah Knorr, Felix Smetana, Franziska Merkel, Gabriel Jörg, Thomas Gerstenmeier, Tom Lebherz

Blaues Plakat

Obacht

Wenn Statik, Brandschutz und Denkmalpflege gleichzeitig am Objekt diskutieren, entsteht ein gemeinsames Problemverständnis – und damit die Grundlage für Lösungen, die alle Seiten mittragen können.

Wer Bestandsschutz prüft und Kompensationsmaßnahmen gezielt einsetzt, findet oft Wege, die sowohl normativ tragfähig als auch denkmalverträglich sind.

Eine zentrale Frage zu Beginn eines Sanierungsprozesses ist nicht „Was muss verändert werden?", sondern „Was darf unter keinen Umständen verloren gehen?" Eine klare denkmalpflegerische Haltung zu dieser Frage erleichtert alle nachfolgenden Entscheidungen.