
Umgang mit der Statik im Bestand
Dass der Turm statisch tragfähig ist, hat er über die letzten hundert Jahre unter Beweis gestellt. Der Fokus lag daher nicht auf einer vollständigen Neuberechnung, sondern auf einer gezielten Suche nach Stellen, die einen Schaden aufweisen und langfristig zur Gefahr werden könnten.
Ein Bericht von Theresa Haase
Mit diesem Ansatz wurden geschossweise punktuelle Bauteilöffnungen im Boden und teils im Deckenbereich unter der Terrasse vorgenommen, um mögliche Schadstellen freizulegen. Besonders wichtig war dabei die Freilegung der Balkenköpfe der Holzbalkendecken, da diese erfahrungsgemäß besonders anfällig für Feuchtigkeitsschäden sind.
Nachdem die zuvor mit dem Statiker Simon Hartinger abgestimmten Stellen geöffnet worden waren, fand am 12. Mai 2026 eine gemeinsame Begehung der Bauteilöffnungen statt.
Die Begehung begann im 5. Obergeschoss im Bereich Küche und Essen. In der nordwestlichen Gebäudeecke wurde ein morscher tragender Balken in der Fehlbodenkonstruktion freigelegt. Herr Hartinger empfahl eine größere Öffnung des Fußbodens, um das Schadensbild genauer beurteilen zu können. Das weitere Vorgehen muss in Absprache mit dem Eigentümer geklärt werden.
Im 3. Obergeschoss zeigte sich ein deutlich ernsteres Bild: Starker Feuchteeintrag und Schimmelbefall an den tragenden Deckenbalken, wahrscheinlich verursacht durch ein über Jahrzehnte undichtes Flachdach der Altane. Herr Hartinger empfahl dringend, einen Befall durch den stark schädlichen Hausschwamm auszuschließen. Der betroffene Raum wurde gesperrt und darf bis zur weiteren Klärung nur noch mit Atemschutzmaske betreten werden.
Die Begehung hat gezeigt, dass der Turm an einigen Stellen deutliche Spuren seiner langen Geschichte trägt. Gleichzeitig bestätigt sie den gewählten Ansatz: Nicht das gesamte Gebäude pauschal in Frage stellen, sondern gezielt hinschauen, verstehen und dann entscheiden.
Projektbeteiligte: Ing. Simon Hartinger, Prof. Wolfgang Nowak, Theresa Haase, Marina Nieberle
Obacht
Rücksprache halten mit Eigentümer, Unteren Denkmalschutz Behörde und Statiker
Lieber mehrere Öffnungen in einem Geschoss als etwas Wichtiges übersehen